Seit fast 10 Jahren ist die sogenannte ENUM Technologie nun verfügbar.

Wer nutzt ENUM? Wem nutzt ENUM etwas? Bringt diese Technologie überhaupt etwas?

Einen kurzen, sehr guten Einblick in die aktuelle ENUM Entwicklung bietet die DENIC, beispielsweise in ihrem ENUM Jahresbericht 2012.

Betrachtet man die Anzahl vergebener Rufnummern im Verhältnis zur Anzahl registrierter ENUM Domains (ca. 8000), scheint die Nutzung von ENUM sehr hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückgeblieben zu sein - der DENIC Jahresbericht hat dafür einige Erklärungsansätze parat.

Unter dem Gesichtspunkt der aktuellen entwicklungen datenschutztechnischer Art bietet ENUM möglicherweise einen hervorragenden Weg, der totalen Zentralisierung des Internets höchst erfolgreich entgegen zu wirken.

Prinzipiell sind Anwendungen denkbar, bei denen ich die Telefonnummer meines Gesprächspartners wähle - und mir dann das Telefon alle verfügbaren Kontaktkanäle anzeigt. Nicht, weil ich sie in meinem Handy gespeichert und womöglich zu ändern vergessen hätte - und auch nicht, weil die Big-Data-Sammelwut eines Social Network Anbieters sie aus meinem persönlichen Verhalten rekonstruiert hat. Sondern weil mein Gesprächspartner sie genauso auf dem Verzeichnis-Server beim Serverbetreiber seines Vertrauens (oder sogar auf seinem eigenen Server) abgelegt hat, wie es in diesem Moment am besten passt.

Die Anzahl von Rufumleitungen, Mailboxen, sinnlosen Anrufversuche und teuren SMS ist durch Anbieter von kombinierten Messaging-Lösungen in mobilen Endgeräten in den letzten Jahren glücklicherweise deutlich zurückgegangen. Allerdings mit einer interessanten Nebenwirkung: Jede Instant Message füttert die riesigen, unersättlichen Big Data Speichermaschinen dieser Welt, alles ist zentral gespeichert.

Wir als Firma stehen jetzt - nach einem Tag Recherche, Konfiguration und Registrierung - im deutschen ENUM Verzeichnis. Im internationalen auch. Wir können verschiedene Kanäle eintragen und priorisieren, zum Beispiel:

  1. IAX2 (VoIP Asterisk Telefonprotokoll)
  2. SIP (VoIP)
  3. Normales Telefon
  4. Postadresse

Wer eine ordentliche Telefonanlage hat, der wählt einfach unsere Rufnummer - und wird automatisch per IAX2 oder SIP mit uns verbunden. Praktisch. Wem das zu kompliziert ist, der nimmt einfach die normale Telefonnummer und wird keinen Unterschied bemerken. Möglicherweise ist die Technik auch dahingehend erweiterbar, dass Chat-Adressen für dezentrale Messenger-Dienste abgebildet werden. Und schon wäre niemand mehr auf die wenigen großen Anbieter mit all ihren Inkompatibilitäten, Börsengängen und neugierigen Werbekunden angewiesen.

Irgendjemand hat sich mit ENUM eine wirklich großartige Sache ausgedacht. Richtig eingesetzt sorgt es für optimale Erreichbarkeit, und zwar:

  • Anbieterunabhängig
  • Flexibel
  • ausfallsicher
  • transparent
  • größtenteils dezentral
  • kompatibel mit Open Source Software
  • auf Basis jahrelang erprobter Technik (DNS)
  • sicher (auch, wenn da sicher noch einiges optimiert werden kann)
  • kostengünstig, momentan sind die Domains sogar kostenlos
  • mit Sparpotenzial